w o l k e i n b i l d u n g
wie die wahrnehmung bilder konstruiert
die wolke erscheint nach wenigen sekunden in der freien fläche oben...
hinweis: für die animation ist flash-player 8 oder 9 erforderlich. download flash-player 9 (kostenlos)
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beschreibung praktische diplomarbeit:
acht gedanken zu visueller kommunikation:
1. Ohne Betrachter gibt es kein Bild.
2. Das «Ding an der Wand», das Lichtwellen aussendet, wird erst im Kopf des Betrachters in einer kreativen Eigenleistung zum Bild aufgebaut.
3. Der Beobachter beeinflusst das Beobachtete. Die Voreinstellung des Betrachters sowie die Umgebung beeinflussen die Wahrnehmung.
4. Das «Ding an der Wand» wird von mehreren Betrachtern in verschiedene subjektive Bilder multipliziert.
5. Es existiert also parallel in unterschiedlichen Versionen in den Köpfen der Betrachter.
6. Der Gestalter, der mit visuellen Medien das Verhalten anderer Menschen beeinflussen will, kann nicht in deren Köpfe sehen.
7. Beim Blick «in die Welt hinaus» wird er stets auf sich selbst zurückgeworfen, denn er nimmt die Umgebung geformt durch sein Wissen und sein Interesse wahr.
8. Was nun?
Im Wahrnehmungsprozess gibt es einen flüssigen Bereich zwischen Chaos und eindeutiger Form. Er besteht aus Spuren, die vom Betrachter in verschiedenste eindeutige Formen weiterverarbeitet werden. Um solche Spuren zu erzeugen, muss eine Form aus der ursprünglichen Umgebung gelöst und zwischen mehreren Polen ausbalanciert werden: Grösse, Abstraktionsgrad, Komplexität der Kontur, Schärfe, Tiefe, Art der Verformung, Geschwindigkeit, etc. Visuelle Wahrnehmung erweist sich enorm robust gegenüber Störungen und verarbeitet widersprüchliche Szenen in eindeutige Bilder. Die praktische Diplomarbeit «Wolkeinbildung» entstand in einem experimentellen Prozess und präsentiert eine mögliche Lösung, wie der Betrachter mit einem grafischen Medium in den flüssigen Bereich seines Wahrnehmungsprozesses verführt werden kann. Die Spur auf dem Monitor provoziert verschiedenste Interpretationen, entzieht sich jedoch durch Verformung konstant einer Fixierung. Eindeutigkeit zerfliesst wieder in Möglichkeiten. Die Arbeit kann eine Öffnung des Betrachters bewirken. Seine innere Bildquelle wird angeregt. Er begegnet in der Wolke seinem Bildarchiv.
Die Arbeit untersucht eine der Grundbedingungen der Kommunikation (Was sehen wir, wenn wir sehen? Ist die gezielte übermittlung einer Botschaft überhaupt möglich wenn man davon ausgeht, dass sich jeder seine Realität konstruiert?) und ist absichtlich auf Auflösung von Eindeutigkeit angelegt. Sie kann in dem Sinn als designphilosophisches Experiment angesehen werden, als sie die traditionellen Ziele der visuellen Kommunikation – ihre mehr oder weniger eindeutige Kommunikationsabsicht – hinterfragt.
praktische diplomarbeit
tutorin: agnès laube
november 2006 bis februar 2007
flash 8, ca. 3min
zur theoretischen diplomarbeit: «euer geist bewegt sich!»

diplomausstellung, februar 2007, progr bern