theoretische diplomarbeit

titel: euer geist bewegt sich!
thema: zur ambivalenz des bildphänomens

kartonschuber mit
— buch, 170s, 12x19cm, mit transparentem schutzumschlag
— 10 bildflächen, 12x19cm, laserprints aufgezogen
— 1 dvd
— neurophysiologischer plan, a3, gefaltet auf 12x19cm

tutoren: thomas basgier und agnès laube
7-10.2006


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kapitel: inhaltsverzeichnis, vorwort, übersicht, faziT & ausblick
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170s, pdf zip 4.2 mb

bildflächen
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neurophysiologischer plan
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Vorwort theoretische Diplomarbeit

Weder Wind noch Fahne

Abermals der Sechste Patriarch (1):
Weil im Wind an einer Fahnenstange eine Fahne flatterte,
stritten sich zwei Mönche.
Der eine sagte:
«Die Fahne bewegt sich!».
Der andere sagte:
«Der Wind bewegt sich!».
Und im Hin- und Her- hatten sie sich noch nicht geeinigt.
Da sagte der Patriarch:
«Nicht der Wind bewegt sich,
Nicht die Fahne bewegt sich,
Euer trefflicher Geist bewegt sich!»
Die beiden Mönche waren voller Bestürzung. (2)


Ist die Wahrnehmung einer Bildfläche (3) 
die Bewegung eines Geistes?

Meine Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Ambivalenz (4) des Bildphänomens. Rezipienten multiplizieren eine Bildfläche in verschiedene Bildphänomene. Ich will herausfinden, warum dies so ist und über welche Parameter die Ambivalenz beeinflusst werden kann. Meine theoretische Diplomarbeit hat zum Ziel, ausgewählte Aspekte dieses weiten Themas aufzugreifen und mit wahrnehmungspsychologischen Grundlagen – soweit oder sowenig diese erforscht sind – zu ergänzen. In der praktischen Diplomarbeit will ich mich an Bildflächen versuchen, die dem Betrachter die Sicherheit in der Interpretation effizient entziehen. Ich beabsichtige, die ausgeprägten Ordnungsliebe der menschlichen Wahrnehmung zu überlisten.
Ich beschäftige mich mit ambivalenten Bildphänomenen, weil hier der Einfluss des Beobachters auf das Beobachtete sichtbar wird. Indem ich etwas ansehe, beeinflusse ich es. Sehr Faszinierend.
Meine Arbeit stütze ich auf ein Denkmodell, das ein Bildphänomen als wechselseitig abhängige Einheit von Bildfläche, Rezipient und Kontext versteht. Was im normalen Sprachgebrauch «ein Bild (5) rezipieren» genannt wird, nenne ich Bildphänomen und verlagere es in den flüchtigen Überschneidungsbereich der drei oben genannten Komponenten. Alle drei Komponenten stehen in wechselseitiger Abhängigkeit und beeinflussen einander. Fällt eine Komponente weg, verschwindet das Bildphänomen.
Ohne Rezipienten gibt es kein Bildphänomen. Und jede Bildfläche wird in einem bestimmten Kontext rezipiert.
Ich werde also keine Zeit damit verlieren, über Bildflächen zu schreiben, die nirgendwo von niemandem rezipiert werden!



(1) Der Zen-Meister Huineng (Jap. Eno), 638-713, China.

(2) Kôan Nr. 29 des Mumonkan (Schuhmacher 1999, S.114)

(3) Bildfläche = Trägermedium der visuellen Kommunikation. Eine analoge oder digitale Oberfläche, die ein bestimmtes Muster von Punkten oder Pixeln trägt. Reflektiert Licht, das als Reizmuster auf die Netzhaut des Rezipienten fällt.

(4) Ambivalenz steht in dieser Arbeit für Mehrdeutigkeit, die sich nicht zwingend widersprechen muss (weil sie nicht bemerkt wird). Gemäss Lexikon bedeutet Ambivalenz eher : Doppelwertigkeit. Gleichzeitiges Auftreten von einander widersprechenden Vorstellungen, Gefühlen und Willensregungen. (dtv-Lexikon 1999)

(5) s. Fussnote 3

zur praktischen diplomarbeit: « w o l k e i n b i l d u n g »